Geschichten

Deutsch-Türkische Jugendbrücke | Gençlik Köprüsü Türkiye-Almanya

Istanbul, TR | Düsseldorf, DE

Thechoicedistrict

Anfängliche Skepsis ist bei den Teilnehmenden eines Begegnungsprojektes nicht unüblich. So auch bei „Lernzirkel der beruflichen Bildung“ der St. Augustinusschule aus Ettlingen und der Karşıyaka Mesleki ve Teknik Anadolu Lisesi aus Çanakkale. Zumindest ergibt sich dies aus den Erfahrungsberichten der Teilnehmer Görkem, Oğuzhan, Sarah und Tobias, die uns einen Einblick in die Gefühlswelt während ihres Austauschprojektes gewähren.

Die Skepsis ist nachvollziehbar. Die Teilnehmenden teilen keine gemeinsame Sprache und vor ihnen stehen Herausforderungen wie die Bewältigung eines Hochseilgartens, die Herstellung eines Flammkuchenofens und zu allem Überfluss wird es auch noch gemeinsam unter Tage in die Tiefe eines Bergwerkes gehen…

„Der Zweck dieses Projekts gefiel mir sehr. Ich hatte in den Sommerferien von diesem Projekt gehört. Mit großer Aufregung habe auf den Einreisetag gewartet. Zuerst war ich ein bisschen skeptisch. Die Aufregung wurde immer größer“, weiß der Teilnehmer Görkem zu berichten. Auch Sarah hatte Respekt davor, dass ihre Austauschpartner aus der Türkei „unsere Sprache nicht sprechen und wir uns vielleicht nicht verstehen.“ Logischerweise stieg die Aufregung bis zum großen Tag. „Nun gut, als es dann soweit war und wir uns und sie vorgestellt haben, war ich schon etwas nervös,“ gibt Sarah zu.

Die Bedenken sollten sich aber schnell in Luft auflösen. „Nachdem wir in Deutschland angekommen waren, lief alles wie geschmiert,“ stellte sich bei Görkem schnell Erleichterung ein.

Die Gruppe hatte nicht nur viel Spaß beim ersten Kennenlernen, sie meisterten auch den Hochseilgarten souverän. „Wir machten mehrere Gruppenspiele und die Stimmung wurde immer entspannter. Trotz der fehlenden Sprache, konnten wir uns gut verständigen, also mit Hand und Fuß und ein wenig Schulenglisch,“ erklärt Sarah.

Das kann Tobias nur bestätigen: „Wir verstanden uns trotz fehlender Sprache sehr gut. Wir haben mit Händen und Füßen kommuniziert. Man muss die Sprache nicht unbedingt sprechen können, um Spaß zu haben.“

Auch die anspruchsvollen Lernstationen wurden von den Teilnehmern erfolgreich bewältigt. „Bei den Projekten mit den Austauschschülern war Harun unser Jugend-Dolmetscher,“ erklärt Tobias. „Auch wenn es anstrengend war, hat es ihm sehr viel Spaß gemacht so eine wichtige Aufgabe zu meistern. Zudem konnte er seine Türkischkenntnisse festigen und stärken.“ Und dabei zusammen mit ihrer deutsch-türkischen Projektgruppe verschiedenste Möbel herstellen, wie Tobias weiter erläutert: „Wir haben sie aussuchen lassen, was sie bauen wollen, von Liegen über Bänke bis hin zu Hockern war alles dabei.“

Bei Görkem lief es mindestens ebenso gut. „Wir hätten uns das nie so schön vorgestellt. Wir haben gemeinsam gearbeitet und mir hat besonders das Arbeiten an Paletten und die Arbeit mit Farben sehr gefallen.“

Die Ausflüge ins Bergwerk, ins Auto- und Technikmuseum Sindelfingen sowie zum Audi-Werk in Neckarsulm und zum Weltkulturerbe Völklingen wurden auch zu Selbstläufern.

„Am Mittwoch und Donnerstag ist das Eis gebrochen und es entstand eine wunderbare Freundschaft zwischen uns und den türkischen Austauschschülern. Wir hatten auf den Fahrten, zu den Aktivitäten sehr viel Spaß, haben gemeinsam Witze und Spiele gemacht. Bei den jeweiligen Aktivitäten (wie z.B. Museum, Mine etc.) haben wir viel miteinander gemacht, uns gegenseitig respektiert und uns bei Problemen geholfen,“ schreibt Tobias. Die Ausflüge waren für Oğuzhan ein besonderes Highlight: „Das Kohlekraftwerk und die Eisenfabrik waren ein außergewöhnliches Abenteuer. Wir konnten sehr schöne Informationen mitnehmen. Bei Audi durften wir schöne Autos sehen und uns reinsetzen. Das war cool!“

Diese Einschätzung kann Sarah bestätigen. „Es war erstaunlich wie entspannt und auch unterhaltsam die Stimmung war. Wir alle haben uns gut verstanden. Was für mich persönlich das Besondere war: dass wir alle gleich sind und trotz fehlender Sprache langsam ein Team wurden.“

Sie schildert die Stimmung innerhalb der Gruppe im Angesicht des nahenden Abschieds voneinander: „Am Ende merkten wir und auch die Gäste, dass es sehr traurig war, dass es langsam zu Ende geht.“

Oğuzhan blickt gleichzeitig auf das Projekt zurück und in die Zukunft. „Diese Erfahrungen, die ich in einer Woche machen durfte, werde ich niemals vergessen,“ schreibt er.

Tobias schildert diese für Begegnungsprojekte so typische Situation noch einmal ausführlicher: „Der Abschied war sehr schwer, da wir Freundschaften geschlossen haben und es für uns Normalität geworden ist, dass sie bei uns sind. Ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, dass es ein schönes und vor allem ein tolles Erlebnis war. Persönlich würde ich sagen, dass ich auf jeden Fall in die Türkei fliegen möchte, weil ich ein Versprechen gegeben habe, das ich unbedingt halten möchte.“

Das sieht Görkem ganz genauso: „Wir wurden sehr gut aufgenommen. Das Projekt hat meine Erwartungen übertroffen und jetzt seid ihr an der Reihe,“ appelliert sie an ihre neuen Freunde, „Mit großer Aufregung warten wir auf euch. Wir wünschen uns sehr, dass das Projekt fortgesetzt wird!“


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